Fraport kalkuliert mit Schwankungen beim Passagieraufkommen

Noch ist der Optimismus nicht gewichen; aber es sieht ganz danach aus, als ob nach einem starken Sommergeschäft sich die Entwicklung im Herbst und Winter abschwächt. Grund: Die vierte Covid-19-Welle, die sich immer stärker auch in Deutschland bemerkbar macht. Angesichts der Corona-Pandemie gehe Fraport von einem "schwierigen Winter" aus, bevor das Geschäft im nächsten Jahr wieder deutlich stärker werde, sagte Vorstandschef Dr. Stefan Schulte.

Der Flughafen Frankfurt rechnet mit einer Rückkehr der Geschäftsreisen nicht vor 2025/26. Foto: Fraport

Der Flughafen Frankfurt rechnet mit einer Rückkehr der Geschäftsreisen nicht vor 2025/26. Foto: Fraport

„Die Ausgleichszahlungen vom Bund und Land Hessen haben die Eigenkapitalbasis Fraports gestärkt und ermöglichten, weiterhin in den Ausbau der Infrastruktur und den Klimaschutz zu investieren. Zugleich wurden die Kosten deutlich reduziert und das Unternehmen kann wieder schwarze Zahlen schreiben. Deshalb herrscht beim Fraportmanagemrnt keine Alarmstimmung. Im August zählte der Konzern in Frankfurt immerhin gut 3,2 Mio. Passagiere, halb so viele wie im August 2019. Schon im September und Oktober dürfte es aber wieder in Richtung 40 % des Vorkrisenniveaus nach unten gehen.

Auch für die Zukunft rechnet Schulte mit stärkeren Schwankungen beim Passagieraufkommen. So werde es deutlich stärkere Sommer und viel mehr Verkehr an den Wochenenden geben als früher. Umgekehrt werde das Geschäft im Winter schwächer ausfallen, und auch unter der Woche werde es Tage mit merklich weniger Verkehr geben. Daher müsse das Unternehmen "deutlich mehr Flexibilität" in seinen Betrieb einbauen. Für die wahrscheinlichen Schwankungen verantwortlich dürfte die unterschiedliche Entwicklung von Geschäfts- und Privatreisen sein. Im bevorstehenden Winter dürften nach Schultes Einschätzung zwar wieder mehr Geschäftsreisen stattfinden als während der Hochphase der Pandemie ein Jahr zuvor. Dummerweise werden dann aber die Privatreisenden weniger werden, da viele Menschen wegen der weiteren Entwicklung der Infektionszahlen verunsichert sein werden, wie sich schon jetzt zeigt. Zwar geht Schulte davon aus, dass der Frankfurter Flughafen die Marke von gut 70 Mio. Fluggästen aus dem Rekordjahr 2019 in einigen Jahren wieder überschreitet. Allerdings erwartet er eine deutliche Änderung der Geschäftsstruktur. So werde das stärkste Wachstum von Urlaubern und anderen Privatreisenden kommen. Bis das Geschäftskundensegment wieder alte Größen erreicht, werde es deutlich länger dauern, sagte Schulte. "Das wird auch nicht 2025, 2026 sein."

Grundsätzlich erwartet der Vorstand für den Flughafen Frankfurt für das Gesamtjahr weiterhin ein Aufkommen von unter 20 bis 25 Mio. Fluggästen. Bei den internationalen Konzernflughäfen wird weiterhin mit einer noch dynamischeren Erholung als in Frankfurt gerechnet. Den Konzern-Umsatz erwartet der Vorstand unverändert bei rund 2 Mrd. Euro.
Der Ausgleich für die entstandenen Vorhaltekosten in Höhe von rund 160 Millionen Euro war in der bisherigen Ergebnisprognose noch nicht berücksichtigt. Entsprechend erwartet der Vorstand für das Gesamtjahr 2021 nun ein Konzern-EBITDA von etwa 460 bis 610 Mio. Euro (bisherige Prognose laut Geschäftsbericht 2020: rund 300 bis 450 Mio. Euro). Auch das Konzern-EBIT wird hiervon beeinflusst und nun positiv erwartet (bisher: leicht negativ). Das Konzern-Ergebnis wird leicht negativ bis leicht positiv prognostiziert (bisher: negativ).

Ziemlich weit fortgeschritten ist der Bau von Terminal 3 im Süden des Flughafenareals. Schlute ist zuversichtlich, dass die Kapazität der neuen Anlage irgendwann tatsächlich gebraucht wird. Wann dies aber der Fall sein wird, darauf wettet heute niemand mehr. Der Vorstand hat die Inbetriebnahme jedoch bereits auf das Jahr 2026 verschoben - und hofft, dass die Passagierzahlen sich bis dahin entsprechend erholen. Der für Billigfluggesellschaften vorgesehene Flugsteig G soll sogar schon Ende 2021 fertig sein und könnte laut Schulte eigentlich schon nächstes Jahr in Betrieb gehen. Aber da sich die Reisendenzahlen bis 2022 sicher nicht im erhofften Maß erholen werden, denkt der Vorstand, dass Flugsteig G vermutlich erst um 2026 herum eröffnet wird. Er könnte aber jederzeit zu einem früheren Zeitpunkt zugeschaltet werden. Quelle: Fraport / DMM