Westbahn-KISS als IC2 für die DB

Die Deutsche Bahn kauft der privaten österreichischen Westbahn 17 elektrische Doppelstock-Triebzüge des Stadler-Typs KISS ab. Westbahn ihrerseits hat in China beim weltgrößten Schienenfahrzeughersteller CRRC zahlreiche innovative Doppelstocktriebzüge für ihre Rennstrecke Wien-Salzburg (-München) bestellt, die die an die DB abgegebenen Garnituren ersetzen sollen. Fahrgäste und Geschäftsreisende der neuen IC-Linie Dresden – Berlin – Oranienburg – Rostock werden schon im Frühjahr 2020 Premierengäste der neuen IC2-Trebzüge sein.

Die DB kauft der privaten Westbahn 17 KISS-Garnituren ab und setzt sie ab 2020 auf ihren Strecken ein. Visualisierung: DB

Die DB kauft der privaten Westbahn 17 KISS-Garnituren ab und setzt sie ab 2020 auf ihren Strecken ein. Visualisierung: DB

Die Deutsche Bahn (DB) beschleunigt den Ausbau ihres über Jahre schwer vernachlässigten und großenteils sogar abgebauten Angebots im Fernverkehr. Mit dem kurzfristigen Kauf von 17 hochwertigen elektrischen Doppelstocktriebzügen, die bisher bei der österreichischen Westbahn im Einsatz sind, verstärkt der Konzern seine Intercity-Flotte. Die Fahrzeuge sind größtenteils erst zwei Jahre alt und haben bei Kunden auf österreichischer Seite höchste Zufriedenheitswerte erreicht.

DB-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber erklärte anlässlich der Unterzeichnung des Kaufvertrags mit Westbahn-Geschäftsführer Dr. Erich Forster: „Wir wollen die Schiene in Deutschland stärken und die Fahrgastzahlen im Fernverkehr verdoppeln. Der kontinuierliche Flottenausbau ist dafür eine wesentliche Voraussetzung. Mit dem Kauf der gebrauchten KISS-Züge von der Westbahn erweitern wir das Platzangebot für unsere Kunden um fast 7.000 Sitzplätze – und dies bereits sehr kurzfristig. Die Züge sind in einem hervorragenden Zustand und bedeuten Komfort und Zuverlässigkeit für unsere Kunden“.

Die hochwertigen Züge des Schweizer Herstellers Stadler Rail, bei Geschäftsreisenden höchst beliebt, sind bis zu 200 km/h schnell und bestehen aus vier bzw. sechs Wagen mit über 300 bzw. 500 Sitzplätzen. Bei der Westbahn haben die Vierteiler eine Sitzplatzkapazität von 326 Sitzplätzen, der Sechsteiler weist 526 Plätze auf. Auf zwei Etagen gibt es komfortable Sitzlandschaften und viel Bewegungsfreiheit. WLAN und Steckdosen an jedem Platz sind Teil der Ausstattung. Auch ein gastronomischer Service ist vorgesehen. Die vorhandenen Bereiche für Reisende mit Mobilitätseinschränkungen, für Gepäck und Fahrräder werden entsprechend üblicher DB-Standards noch erweitert. Eine neue Außenlackierung macht den Zug zum unverkennbaren Mitglied der Intercity-Familie.

Die DB erhält die ersten Züge bereits im Dezember und wird sie als Intercity 2 auf der neuen Linie Dresden – Berlin – Oranienburg – Rostock einsetzen, sobald die erforderlichen Test- und Schulungsfahrten abgeschlossen sind. Ab Frühjahr 2020 sollen die Züge dann im Zwei-Stunden-Takt pro Tag und Richtung auf der neuen Linie verkehren. Damit löst die DB ihr Versprechen ein, die Flächenländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen wieder besser an das Fernverkehrsnetz anzuschließen. Bis die Züge im Einsatz sind, startet die neue Linie zunächst mit Intercitys der ersten Generation.

Und wie geht's bei der Westbahn weiter? Bis zum Wechsel auf den Winterfahrplan im Dezember 2019 sind es knapp 5 Monate – eine überaus knappe Zeitspanne, in der nicht weniger als die Zulassung eines neuen Hochgeschwindigkeitszugs des chinesischen Herstellers CRRC bewerkstelligt werden muss. Indes sind die Chinesen in Sachen Herstellung und Prüfung neuer Superzüge hochprofessionell unterwegs. Mit Zügen von CRRC ist die vom Bauindustriellen Hans Peter Haselsteiner dominierte Westbahn Management GmbH der erste Zugbetreiber in der Europäischen Union mit Rollmaterial aus dem Reich der Mitte. Maßstäbe setzt die Westbahn mit ihrem Anbieterwechsel von der schweizerischen Stadler Rail zu CRRC in jedem Fall. Zudem wird die Rochade beim ersten echten privaten Bahnbetreiber in Österreich auf der Kostenseite für Entlastung sorgen, denn die seit 2010 ausgelieferte doppelstöckige "Kiss"-Flotte aus 17 Elektrotriebzügen (die letzten zehn Stück wurden 2017 gekauft) steht mit 230 Mio. Euro in den Büchern. Bringt CRRC das neue Rollmaterial als Sacheinlage in die Westbahn-Mutter Rail-Holding-Gruppe ein und erhält dafür Miete, sind die Anschaffungskosten kein Problem mehr. Die Abgabefrist für interessierte Käufer der 17 Westbahn-KISS-Garnituren war am 04. Apirl abgelaufen. Größter Interessent für die weiß-blau-grün bemalten Kiss-Züge war die Deutsche Bahn. Bei der DB ist eine mit der ÖBB bestens vertraute Managerin an Bord: Evelyn Palla, bis vor wenigen Monaten Finanzchefin der ÖBB-Personenverkehr AG. DB hat sich für Zugbeschaffung rund 300 Mio. Euro genehmigen lassen.

Brandaktuell die News: Die Westbahn will 15 neue Züge beim Schweizer Hersteller Stadler bestellen. Ab 2021 soll dann wieder im Halbstundentakt zwischen Wien und Salzburg gefahren werden. Nach wie vor wartet das private Bahnunternehmen aber auf Streckenkonzessionen für die Südbahn Wien-Graz/Klagenfurt und für die Linie Salzburg - Innsbruck - Bregenz. Quellen: DB / Standard / Westbahn / DMM